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Neue Biotechnik ergänzt Besamung für weiteren Gewinn

SPERMASEXEN: Gesexter Bulle bringt weibliches Kalb

In der Rinderhaltung ist das Geschlecht des Kalbes bestimmend für dessen Nutzung in der Milchproduktion oder in der Fleischproduktion. Milcherzeuger haben den weit größeren Nutzen von weiblichen Kälbern; männliche Kälber sind für diese weniger wertvoll. Lange Anstrengungen der Forschung, das Geschlecht des Kalbes über die Besamung zu beeinflussen, tragen vermehrt Früchte. Das sogenannte Spermasexen ist nunmehr auch für die Praxis verwertbar. Es hat wegen des hohen Nutzens weltweit hohe Aufmerksamkeit und bereits 100.000-fach weibliche Nachkommenschaft geliefert.

Die Geschlechtsauftrennung von Sperma ist auch bei Fleckvieh erfolgreich und nunmehr über fünf ausgesuchte und bewährte Bullen aus Nordschwaben verfügbar (Madera, Perino, Index, Rumdeuter und Weino).

Allgemeines und aktuell Bedeutsames
Das gewünschte weibliche Geschlecht eines Kalbes kann mit gesextem Sperma über die Besamung so gesteuert werden, dass von 10 Kälbern mindestens 9 weiblich sind. Daraus gibt es allerbeste Aussichten auf zusätzlich hohe Einträge für Milcherzeuger unter den jüngsten Rahmenänderungen.

Weil die Milchpreise bereits nachhaltig gestiegen sind und dies weiterhin tun, werden auch die Zuchtviehpreise rasant folgen. Zudem werden wegen übergroßer ausländischer Nachfrage Exportkalbinnen bestens abgekauft. Demnächst zusätzlich fehlende Tiere, die im Zuge der bayerischen IBR-Bekämpfung im Jahr 2008 vorzeitig abgehen, verknappen die Zahl der Milchkühe weiter stark. Die gewaltigen Preissteigerungen bringen schon heute die jetzige, und mehr noch die zukünftige Knappheit von Milchtieren zum Ausdruck.

Auf diese Verschiebung gibt es für jeden Milchproduzenten und Züchter eine angepasste und sehr lohnende Reaktionsmöglichkeit. Dafür kommt das gesexte Sperma gewissermaßen als „Lückenfüller“ gerade recht. Damit kann fehlende milchliefernde Nachzucht schon ausschließlich aus der eigenen Herde leicht aufgefüllt werden. Aufstockungswillige Betriebe können kostengünstig den Bestand erweitern und dafür gerade eigene, bewährte Linien besser nutzen.

Nutzen und Vorteile
Besondere Vorteile des Einsatzes gesexten Spermas mit regelhaftem Erhalt von Kuhkälbern sind:
- Schonende Geburten aufgrund geringerem Geburtsgewicht weiblicher Kälber
vermeiden die Verluste aus Schwergeburten bei Kälbern und ihren Müttern
- Größere Färsenauswahl verbessert den Herdennachersatz für Abgehende
- Hohe Zusatzeinträge erzielt man durch Exportverkauf überzähliger Kalbinnen
- Hygienisches Geschlossenhalten des Eigenbestandes bei der Remontierung
umgeht das Einschleppungsrisiko von Krankheitserregern über Fremdzutreter
- Färsennutzung zur Zucht mit bester Bullengenetik ist von Anfang an möglich
- Herdenvergrößerung bei Wunsch zur Aufstockung geht ohne Fremdtierzukauf
- Gezielte Vermehrung bewährter Linien im eigenen Bestand ist leichter
möglich und meistens effizienter als mit Embryotransfer
- Durch kürzeres Generationsintervall wird höherer genetischer Fortschritt
erzielt, da man im Schnitt Tiere für die eigene Herdenergänzung früher hat
- Zusätzliche Wertschöpfung ist bei erschöpftem Milchkontingent erzielbar
- Sonst nur schlecht verwertetes Grünland kann für die Jungrinderaufzucht
hoch produktiv eingesetzt werden.

Der vorhergehende Absatz ließe sich vielleicht in ein Kästchen bringen, um den Text aufzulockern.

Technologie
Die inzwischen den Kinderschuhen entwachsene Methode des Spermasexing über die Durchfluss-Samenzell-Vereinzelung im Laserlicht bedient sich am Gewichtsunterschied im Erbgut (DNA) der Samenfäden. „Weiblich vorherbestimmende“ Samenfäden wiegen gegenüber „männlichen“ durchschnittlich etwa 3 % mehr. Diesen zwar kleinen Unterschied zwischen den geschlechtshälftigen Anteilen im Samen kann diese jahrzehntelang fortentwickelte Sortiertechnik messen und die vermischten Spermien trennen.

Dazu wird Samen auf 10 Mio. Spermien pro ml verdünnt und für die Trennprozedur im Durchfluss-Zellmessgerät (Flowzytometer) mit Fluoreszensfarbstoff angefärbt. Die Spermien werden im Gerät angesaugt und einzeln im Tropfen mit energiereichem Laserlicht bestrahlt. Dies regt die Spermien zur Rücksendung des Fluoreszenzsignals an, welches je nach der Menge des DNA-Gehalts stärker oder schwächer ist. Eine Fotozelle registriert das Signal und leitet es an einen Computer weiter, der den Spermium-enthaltenden Flüssigkeitstropfen nach der Strahlungsintensität elektrisch auflädt. In Fallrichtung findet dann eine Ablenkung im elektrischen Feld nach dem Gewicht in das „männliche“ oder in das „weibliche“ Sammelröhrchen statt.
Im Gegensatz zu herkömmlich verarbeitetem Sperma erhält man aufgereinigtes und besonders vitales, welches nach Konzentration und Zahl der Spermien pro Samendosis für den Praxiseinsatz daher geringer sein kann. Alle nicht klar zuordbaren Spermien oder biologisch geschädigte, nicht strahlende, werden verworfen.


Praxiseinsatz
Feldversuche mit gesextem Sperma im Vergleich zu herkömmlichem Sperma weisen etwa gleichgute Befruchtungsergebnisse bei Kalbinnen aus. Bei Kühen sind sie wegen unklar schwankender Brunstdauer um etwa 10 Prozentpunkte geringer. Dies ist durchaus auch hinnehmbar, wenn man es an der höheren Wertschöpfung aus der Besamung für ein weibliches Kalb misst. Eine gute Brunstbeobachtung ist Voraussetzung. Wer seine Tiere kennt, weiß um deren Zykluslänge nach seiner Einzelaufzeichnung. Tiere mit stark schwankenden Zykluslängen sind weniger fruchtbar und für gesextes Sperma ungeeignet. Es sollte für den Einsteiger nur in der Erstbesamung (nicht Doppel- oder Nachbesamung) Verwendung finden. Die Besamung soll 12 Stunden nach Beginn des Duldungsreflexes vorgenommen werden.

Besonders geeignet für die Besamung mit gesextem Sperma sind Jungrinder, bei denen leichtere Geburten durch gewöhnlich geringere Geburtsgewichte von Kuhkälbern zu erwarten sind. Durch kürzeres Generationsintervall wird höherer genetischer Fortschritt erzielt; im Schnitt hat man Tiere für die eigene Herdenergänzung früher. Jungrinder haben bessere Trächtigkeitsraten als Milchkühe. Da sie eine enger umgrenzte Zeitzone des Eisprunges während der Brunst haben, reicht weniger befruchtungsfähiges Sperma für eine sichere Konzeption.

Kosten
Die Apparatur, man kann besser sagen Maschinerie, sowie die Lizenzen bedeuten einen nicht unbeträchtlichen Kostenumfang. Mehrere Hunderttausend Euro für das eine und noch mal für das andere stehen dafür im Raum. Dennoch ist die Investition sinnvoll und die Wertschöpfung für organisierte Milchviehhalter steht außer Frage. Die Vermehrung zunehmend knapper Milchtiere, vermiedene Schäden aus Schwergeburten und aus Erregereinschleppung bei Fremdtierzukauf, bringen für Populationen, Organisationen und Betriebe hohe Einträge auf den ersten und, mehr noch, auf den zweiten Blick.

Sperma wird im Bereich von 45,- € je Portion über die bayerischen Besamungsstationen zu bekommen sein. In einzelnen Regionen gibt es gesextes Sperma für 15,- € je Portion plus 75,- € Nachentrichtung bei Geburt des weiblichen Kalbes, um den Einstieg für Interessierte so attraktiv und leicht wie möglich zu gestalten.

Von diesen bisher gesexten Fleckvieh-Bullen wurde Sperma bereits in Oesterreich, Niederlande und Polen eingesetzt, was beachtliche Akzeptanz erkennen läßt. Weiter Wissenswertes zum Thema - Gesextes Sperma - gibt es unter der Internet-Adresse www.spermasexen.de . Dort sind Bullen der Rassen Fleckvieh, Holstein und Braunvieh beschrieben, die gesext in Süddeutschland und Bayern zur Auswahl stehen.


Bilder und Bildunterschriften der fünf Bullen könnten evtl. den Text auflockern! Bilder sind in Datei angehängt.


MADERA (GZW 126, Nachkommen > 20.000) ist tausendfach bewährt; er stammt aus milchergiebiger Kuhlinie mit hoher Leistungsveranlagung. Einige seiner Töchter konnten auf Tierschauen glänzen, er vererbt durchschlagend.

PERINO (GZW 131, Melkbarkeit 127) ist Repräsentant seltener Linie (Planet) und Rahmenvererber. Er hat eine der besten Bewertungen für Drittkalbs-Töchter bei Fundament und Euter. Er ist jahrelang stabil vorn in der TOP-Liste und kann gesext seine Kalbeeignung wesentlich verbessern, mit Kuhkälbern ist sie dann allemal durchschnittlich.

INDEX (GZW 131, Fruchtbarkeit paternal 111) ist als Regio-Sohn besonders aktuelle Genetik mit sehr guter Fundament- und Euterbewertung bei potenter Leistungsveranlagung.

WEINO (GZW 123, Nutzungsdauer 111) ist neben Weinold einer der bewährtesten Weinox-Söhne gerade auch mit internationaler Verbreitung. Gute Melkbarkeit, lange Verbleibedauer und gutes Exterieur bei Fundament und Euter sprechen für ihn.

RUMDEUTER (GZW 129, Milchmenge + 1516 kg) ist als Rumba-Sohn aus Samurai-Tochter Garant für hohe Milchleistung. Sein schwächerer Fleischwert tritt in den Hintergrund, da Söhne für die Mast so gut wie nicht mehr geboren werden.

Sicher ist es reizvoll und spannend abzuwarten, wie die Akzeptanz und Resonanz auf das neuartige Angebot ausfallen wird. Es wird sich in näherer Zukunft zeigen, ob sich die großartigen Marktchancen, dieser für die Praxis neuen Technologie, eine Bahn brechen können. Gerade die Vermarktung für Betriebe und Marktorte kann dadurch einen regelrechten Schub erfahren, weil die Zahl der lohnend vermarktungsfähigen Tiere besonders erhöht werden kann.

Dr. Dr. Reinhold Lömker
Besamungsstation Höchstädt